Der Fall eines Riesen: Steinhoff Möbel Bilanzfälschung in Milliarden Höhe

Gegründet in Westerstede: Die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss. Tausende Arbeitsplätze stehen nach wie vor auf dem Spiel und Steinhoff dürfte entweder mit einem neuen Vorstand seine Geschäfte wieder aufnehmen oder nach einem weiteren Tiefflug der Aktie aufgelöst werden. Zweiteres dürfte im Sinn des Unternehmens sein. Der Umzug der Steinhoff Europe AG und der Finance Holding nach Großbritannien ist kein Signal dafür, das Geschäft einstellen zu müssen.
Gegründet in Westerstede: Die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss. Tausende Arbeitsplätze stehen nach wie vor auf dem Spiel und Steinhoff dürfte entweder mit einem neuen Vorstand seine Geschäfte wieder aufnehmen oder nach einem weiteren Tiefflug der Aktie aufgelöst werden. Zweiteres dürfte im Sinn des Unternehmens sein. Der Umzug der Steinhoff Europe AG und der Finance Holding nach Großbritannien ist kein Signal dafür, das Geschäft einstellen zu müssen.

Der Fall eines Riesen: Steinhoff Möbel Bilanzfälschung in Milliarden Höhe

Steinhoff Möbel galt als mittelständisches Vorzeigeunternehmen und schrieb mit der Expansion in alle Welt eine Erfolgsgeschichte. Nun zeigte sich verhängnisvolle, jahrelange Bilanzfälschung. Was war passiert?

Aus Westerstede in die Welt – Eine verhängnisvolle Erfolgsgeschichte

Als Sohn einer Bauernfamilie entschied sich Bruno Steinhoff dazu, das heimische Westerstede zu verlassen und eine Ausbildung bei einem Berliner Möbelhändler zu beginnen. Nach einigen Jahren der Arbeit war es angeblich eine verweigerte Gehaltserhöhung (Quelle), die ihn zur Selbstständigkeit motivierte. Am 01.Juli 1964 legte er im Alter von 26 Jahren den Grundstein für das Unternehmen Steinhoff Möbel.

Der Kern seines Geschäftsmodells lag im An- und Verkauf von Möbeln. Diese Bezog er aus der DDR oder anderen Ländern der damaligen UDSSR. Das Preisgefälle auf den beiden Seiten des eisernen Vorhanges brachte ihm schnell die erwarteten Erfolge und ermöglichte Investitionen und Übernahmen.

Mit dem Fall der Mauer sah Steinhoff langfristig das Risiko des Versiegens seiner Bezugsquellen und die Gefahr ansteigender Einkaufspreise. Er reagierte entsprechend und verlagerte den Hauptsitz seines Unternehmens nach Afrika. Neben Einkauf und Verkauf war nun auch die Fertigung ein Tel des Tätigkeitsfeldes.

 

Der Weg nach Afrika und zum internationalen Großkonzern

Kurz vor der Jahrtausendwende war Steinhoff als Vorsitzender noch dafür verantwortlich, dass die Steinhoff Möbel mit Übernahmen in Frankreich, Großbritannien und Afrika zum zweitgrößten Möbelhändler der Welt wachsen konnte. Die Produktionszweige in Ostdeutschland wurden geschlossen. Zweige und Tochtergesellschaften erstreckten sich um die ganze Welt. Auch Kontakte nach Deutschland gab es nach wie vor, so pflegte er Kontakte mit dem Unternehmer Claas Daun , gebürtig aus Rastede kommend,  der seit 1998 auch Teil des Aufsichtsrates war.

Bruno Steinhoff zog sich im Jahr 2000 selbst in den Aufsichtsrat zurück. Als Teilhaber hatte nur noch Mitspracherecht und genoss sein Leben in Südafrika und eine anteilige Ausschüttung der Umsätze des Unternehmens. Als neuer CEO wurde Markus Jooste benannt.

 

Der Fall Pocco – Anfang vom Ende?

Mit Jooste zogen Änderungen in die Geschäftspraktiken und Unternehmensphilosophie ein, wie sich unter anderem an der langjährigen Kooperation mit dem Österreichischen Unternehmen XXXLutz rund um das Unternehmen Pocco zeigte. Die Österreicher tauschten 60 Märkte gegen 50% des Besitzes an Pocco. Jooste wollte diese Anteile bald wieder unter Steinhoff verbuchen und so eskalierten im Jahr 2016 die Unstimmigkeiten, als Jooste dem Eigentümer der Österreichischen Kette vorwarf, seine treuhänderischen Verpflichtungen bei POCCO zu vernachlässigen und als Folge dessen die Anteile abgeben müsse.

XXXLutz stand Steinhoff bei der Übernahme des französischen Unternehmens Conforama mit einer Anleihe zur Seite. Von dieser Freundschaft wollte Jooste nun scheinbar nichts mehr wissen (Quelle). Der Streit sollte vor Gericht gebracht werden. Zu einer Lösung kam es allerdings, da Steinhoffs Unternehmen ins Wanken geriet und Pocco and XXXLutz verkaufte (Quelle).

 

Von Unstimmigkeiten, Bilanzfälschung und drohende Pleiten

Das einst so sympathische mittelständische Unternehmen war zum allesfressenden Großkonzern mutiert. Was unter dem Gründer selbst noch nach einem Bilderbuchwachstum aussah, geriet unter Jooste ins Wanken. So meldete das Unternehmen bereits 2015, also vor dem Streit um Pocco, Unregelmäßigkeiten in den Büchern. Das Projekt Expansion rund um die Welt geriet außer Kontrolle und das scheinbar unkontrollierte Wachstum erfolgte auf Kosten von dem, was gut und richtig ist.

Wie das NDR Magazin Panorama aufdeckte (Quelle), fand eine gezielte Bilanzfälschung statt, in der der Vorstand Jooste seinen Mitarbeitern in Emails Anweisungen dazu gab, wie Milliarden Gewinne verbucht werden sollte. Man kommunizierte wie unter alten Geschäftsfreunden, als stünde das Wachstum und der Erfolg der Firma über dem Gesetz. Ein Irrglaube, wie sich kurz nach dem Börsenstart herausstellen sollte.

 

PwC Bericht spricht von Milliardenbetrug

Laut der Prüfungsagentur PricewaterhouseCoopers International (PwC) traten von 2009 bis 2017 Ungereimtheiten in der Höhe von 6,5 Milliarden Euro auf (Quelle). Für vorangegangene Bilanzprüfungen wurden stets kleine Prüfer angeheuert und die Bilanzfälschung lange nicht aufgedeckt. Ob Bestechungen stattfanden ist denkbar aber momentan noch nicht durch die Staatsanwaltschaft bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt laut NDR bereits seit 2015 gegen das Unternehmen. Auch Personen, die nicht direkt im Unternehmen beteiligt sind, sollen sich im Zusammenhang strafbar gemacht haben. Der Wert des Unternehmens stürzte im Jahr 2017 von 13 auf 1,5 Milliarden Euro, die Aktie hatte nur noch Schrottwert.

 

Zukunft Steinhoffs und Folgen der möglichen Insolvenz

Für den einstigen Gründer des Unternehmens ist mit dem Verlust seines Namens und dem Image dessen verbunden, was er über Jahrzehnte aufgebaut hat. Sein Nachfolger Jooste galt als Ziehsohn Steinhoffs und ist nach heutigem Erkenntnisstand einer der Hauptschuldigen des Skandals. Die Zukunft Steinhoffs ist fraglich.

Versuche, den wankenden Riesen durch Kredite in Milliardenhöhe zu reformieren scheiterten. Anleihen der japanischen Bank Nomura und diverser US Einrichtungen in Höhe von 1,9 Billionen Dollar hatten den Verlust der Anleihen zur Folge (Quelle). Die drohende Insolvenz konnte vom kurzzeitigen Vorstand und Spitzenteilhaber Christo Wiese nicht final gestoppt werden.

Aktuell fällt er seinem ehemaligen Unternehmen öffentlich in den Rücken und scheint sich von eventuellen Schuldzuweisungen befreien zu wollen. So würde er gern seine wertlosen Anteile gegen Geld tauschen, wie er gegenüber Reuters sagte(Quelle).

Die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss. Tausende Arbeitsplätze stehen nach wie vor auf dem Spiel und Steinhoff dürfte entweder mit einem neuen Vorstand seine Geschäfte wieder aufnehmen oder nach einem weiteren Tiefflug der Aktie aufgelöst werden. Zweiteres dürfte im Sinn des Unternehmens sein. Der Umzug der Steinhoff Europe AG und der Finance Holding nach Großbritannien ist kein Signal dafür, das Geschäft einstellen zu müssen.

 

Milliardenverluste wo es am meisten weh tut

Selbst wenn es zu harten Urteilen gegen Jooste und die anderen Beteiligten kommen sollte, die wahren Verlierer der gezielten Bilanzfälschung und anderer Manipulationen sind nicht die wohlhabenden Unternehmer, welche für die eigene finanzielle Sicherheit gesorgt haben. Am härtesten trifft es die Mitglieder eines afrikanischen Pensionsfonds PIC.

Der Pensionsfond investierte in das Unternehmen, um zukünftige Rentenzahlungen seiner Mitglieder zu decken. Nach der drohenden Pleite fürchten die Mitglieder des Fonds um den Ausfall oder die Verminderung ihrer Rentenzahlungen. Wie die Pensionskasse im Fall einer Übernahme profitieren kann, ist momentan ungewiss. Im Vergleich: Das Guthaben von Jooste und Wiese beträgt auch nach dem Skandal mehrere hundert Millionen Dollar.

Im April liegen die endgültigen Untersuchungsergebnisse des afrikanisch-holländischen Unternehmens vor. Aktuell schreibt Steinhoff Assets in Milliardenhöhe ab und wird sich von einigen Tochtergesellschaften verabschieden(Quelle). Am Ende wird die Bilanzfälschung nur ein Abschnitt in der Geschichte des Unternehmens sein und es wird sich wieder zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg leider nichts mit Moral und auch nicht immer etwas mit Recht zu tun hat.