Vor wenigen Tagen wurden die Berufsbildenden Schulen (BBSn) in Niedersachsen über die Einstellung des Projektes „Berufsfachschule Dual“ informiert. Diese Nachricht erreichte die Schulleitenden kurz vor Ende der Bewerbungsphase und führt jetzt zu kurzfristigen Absagen an angemeldete Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern. Neben dem erheblichen Mehraufwand durch das Umsteuern und der vergeblichen Arbeit der organisierenden Lehrkräfte in den letzten Wochen und Monaten führt diese Entscheidung des Kultusministeriums aus Sicht der IHKNiedersachsen auch zu einem Vertrauensverlust. „Viele Verantwortliche in den BBSn waren davon ausgegangen, dass die BFS Dual in das gerade in Novellierung befindliche Niedersächsische Schulgesetz aufgenommen wird“, sagt Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen (IHKN). „Das Engagement in den Schulen war jetzt vergeblich. Auch Eltern, Schülerinnen und Schüler dürften über die Entscheidung des Kultusministeriums zu diesem späten Zeitpunkt überrascht sein.“ Die Innovationsbereitschaft der einführenden Schulen werde enttäuscht und damit in einer Zeit Energie aus dem Bildungssystem genommen, in der die Modernisierung von Schulen, Lehrplänen und Lehrerausbildung ganz vorn auf der Agenda stehen sollten.
Die BFS Dual ist ein Schulversuch des Kultusministeriums, in dem junge Menschen bessere Orientierung für den Übergang in eine Ausbildung finden sollten mit gleichzeitig offenem Übergang in die Fachoberschulklasse 12. Neben besserer Berufsorientierung und einer Steigerung der Durchlässigkeit stand gedanklich dahinter auch eine Verkleinerung des so genannten Übergangssystems, in dem junge Leute schulisch auf weitere Schritte in Richtung Arbeitsmarkt vorbereitet werden und dadurch erst verspätet oder gar nicht in eine duale Ausbildung gehen. „Diese Intention der BFS Dual war gut, denn in vielen Berufen wird weiterhin dringend beruflicher Nachwuchs für die duale Berufsausbildung gesucht“, erläutert Sönke Feldhusen, IHKN-Sprecher Berufliche Bildung. „Die Reform der Reform wirkt jetzt eher wie ein Schritt zurück als wie ein Schritt nach vorne. Zusätzlich erwarten wir hierdurch ein sinkendes Interesse von Schülerinnen und Schülern an der dualen Ausbildung zum Ausbildungsstart in diesem Sommer.“
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