Bildunterschrift: Freuen sich gemeinsam über die Zertifizierung (v.l.n.r.): IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf, Patrick Roling (Ausbildungsleitung Lehrwerkstatt Metall), Peter Kottmann (Ausbildungsleitung Lehrwerkstatt Mechatronik), Jan Horstmann (Geschäftsführer Konstruktion & Entwicklung), Melanie Plumpe (Personalreferentin Ausbildung), Timo Deters (Ausbildungsleitung Lehrwerkstatt Metall), Agnes Luszczyk (Personalleitung). Bildquelle: Maschinenfabrik Bernard Krone GmbH & Co. KG
Die Maschinenfabrik Bernard Krone GmbH & Co. KG in Spelle ist erstmals mit dem IHK-Qualitätssiegel „Top-Ausbildungsbetrieb“ ausgezeichnet worden. Die Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim würdigt damit die strukturierte, praxisorientierte und bereichsübergreifende Ausbildung des Landmaschinenherstellers.
IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf überreichte die Urkunde am Unternehmensstandort in Spelle. Für Krone ist die Zertifizierung eine Bestätigung der langjährigen Ausbildungsarbeit und zugleich ein Signal an junge Menschen, die vor der Entscheidung über ihren beruflichen Einstieg stehen.
„Unsere Ausbildung ist seit Jahrzehnten ein zentraler Erfolgsfaktor unseres Familienunternehmens“, erklärte Jan Horstmann, Geschäftsführer Konstruktion und Entwicklung. Mit der Auszeichnung werde das Engagement der Ausbilder und aller Beschäftigten gewürdigt, die junge Menschen während ihrer beruflichen Entwicklung begleiteten.
Die Maschinenfabrik ist nach Angaben der IHK der größte industrielle Ausbildungsbetrieb in der Region. Das Unternehmen bildet seinen Nachwuchs in insgesamt 18 Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen aus.
Das Angebot umfasst gewerblich-technische, kaufmännische und akademische Bildungswege. Damit reagiert Krone auf den unterschiedlichen Personalbedarf eines Industrieunternehmens, das Entwicklung, Produktion, Vertrieb und weitere betriebliche Funktionen miteinander verbindet.
Eine breite Auswahl allein ist jedoch noch kein Beleg für hohe Ausbildungsqualität. Entscheidend ist, wie die einzelnen Ausbildungsstationen organisiert sind, wie Lernfortschritte begleitet werden und ob Nachwuchskräfte frühzeitig Verantwortung übernehmen können. Genau diese betrieblichen Prozesse stehen im Mittelpunkt des IHK-Zertifizierungsverfahrens.
Ein Schwerpunkt des Krone-Konzepts liegt auf der frühen Berufsorientierung. Schülerinnen und Schüler sollen technische und kaufmännische Tätigkeiten nicht nur aus Stellenanzeigen oder Berufsbeschreibungen kennen, sondern möglichst praktisch erleben.
Beim Mini-Praktikum „2 Tage – 2 Felder“ können Jugendliche während der Oster- oder Herbstferien zwei gewerblich-technische Berufsfelder kennenlernen. Das Format richtet sich insbesondere an künftige Schulabgänger, die sich noch nicht abschließend für einen Ausbildungsberuf entschieden haben.
Solche Kurzpraktika können eine wichtige Orientierungshilfe sein. Gerade technische Berufe lassen sich für Jugendliche häufig besser einschätzen, wenn sie Werkzeuge, Arbeitsabläufe und typische Aufgaben selbst erleben. Für Unternehmen bieten die Angebote zugleich die Möglichkeit, frühzeitig mit potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern in Kontakt zu kommen.
Mit dem regelmäßig angebotenen „Berufe-Check“ bezieht Krone auch die Familien der Jugendlichen ein. Einmal im Monat stehen Ausbilder für persönliche Gespräche zur Verfügung. Eltern und Interessierte können die Lehrwerkstätten besichtigen und sich über Ausbildungsmöglichkeiten, Anforderungen und Entwicklungsperspektiven informieren.
Hinzu kommen Einblicke über die sozialen Netzwerke des Unternehmens. Dort wird der Ausbildungsalltag aus der Perspektive der Beteiligten dargestellt. Authentische Eindrücke können dabei helfen, Tätigkeiten verständlicher zu machen und falsche Vorstellungen über bestimmte Berufsbilder abzubauen.
Die Ausbildung bei Krone ist nicht ausschließlich auf den jeweiligen Stammarbeitsplatz ausgerichtet. Nachwuchskräfte lernen unterschiedliche Unternehmensbereiche kennen und sollen nachvollziehen, wie technische, organisatorische und kaufmännische Prozesse ineinandergreifen.
Dieser Perspektivwechsel ist für Industriebetriebe von besonderer Bedeutung. Entwicklung, Materialbeschaffung, Fertigung, Qualitätskontrolle, Vertrieb und Verwaltung verfolgen zwar unterschiedliche Aufgaben, sind im Arbeitsalltag aber voneinander abhängig. Wer diese Zusammenhänge bereits während der Ausbildung kennenlernt, kann Entscheidungen anderer Abteilungen später besser einordnen.
Die bereichsübergreifende Ausbildung stärkt deshalb nicht nur das Fachwissen. Sie fördert auch Kommunikation, Verständnis für betriebliche Abläufe und die Fähigkeit, Aufgaben gemeinsam mit anderen Berufsgruppen zu lösen.
Wie dieser Ansatz praktisch umgesetzt wird, zeigt die unternehmensinterne Fahrradwerkstatt. An dem Projekt arbeiten Auszubildende aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen.
Angehende Industriekaufleute übernehmen organisatorische Aufgaben, während gewerbliche Auszubildende für Wartung und Reparaturen zuständig sind. Das Projekt bildet damit im Kleinen ab, was auch in einem Industrieunternehmen zum Alltag gehört: Arbeitsabläufe müssen vorbereitet, Zuständigkeiten geklärt und technische Leistungen koordiniert werden.
Für die Auszubildenden entsteht ein überschaubarer Verantwortungsbereich, in dem die Ergebnisse ihrer Arbeit unmittelbar sichtbar werden. Gleichzeitig erfahren sie, dass ein funktionierender Prozess sowohl fachliche Kompetenz als auch verlässliche Abstimmung voraussetzt.
IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf hob diesen Aspekt bei der Urkundenübergabe hervor. In solchen Projekten werde Ausbildung zu einer bereichsübergreifenden Teamaufgabe. Das dadurch entstehende Verständnis für andere Tätigkeiten und Perspektiven sei auch im späteren Berufsleben wichtig.
Bei Krone sind Ausbildung und Personalarbeit eng miteinander verbunden. Ziel ist es, geeignete Nachwuchskräfte frühzeitig anzusprechen, während der Ausbildung systematisch zu begleiten und ihnen anschließend berufliche Perspektiven im Unternehmen zu eröffnen.
Diese Verzahnung gewinnt angesichts des Fachkräftebedarfs vieler Industrieunternehmen an Bedeutung. Betriebe können ihren künftigen Personalbedarf nicht ausschließlich über den externen Arbeitsmarkt decken. Die eigene Ausbildung ermöglicht es ihnen, berufliche Fähigkeiten gezielt aufzubauen und Nachwuchskräfte frühzeitig mit Produkten, Prozessen und Unternehmenskultur vertraut zu machen.
Für eine langfristige Bindung reicht die reine Vermittlung der vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte allerdings nicht aus. Wichtig sind verlässliche Ansprechpartner, nachvollziehbare Lernziele, regelmäßige Rückmeldungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Auch die Frage, wie viel Eigenverantwortung junge Menschen übernehmen dürfen, beeinflusst die Qualität einer Ausbildung.
Die IHK-Auszeichnung bestätigt, dass Krone diese Themen in einem extern begleiteten Prüfverfahren nachvollziehbar dargestellt hat. Sie ist jedoch keine dauerhafte Bewertung. Das Siegel wird für drei Jahre vergeben. Möchte ein Unternehmen es anschließend weiterführen, muss es sich erneut dem Zertifizierungsverfahren stellen.
Das Qualitätssiegel wird nicht allein aufgrund einer Unternehmensdarstellung oder einzelner Projekte verliehen. Der Zertifizierung geht ein mehrstufiges Verfahren voraus.
Am Anfang steht ein Eingangscheck. Es folgen ein ausführlicher Fragebogen und eine Beratung durch die Ausbildungsberater der IHK. Dabei werden die Strukturen und Abläufe der betrieblichen Ausbildung erfasst und eingeordnet.
Den Abschluss bildet ein detailliertes Audit im Unternehmen. Daran wirken Personalexperten aus anderen regionalen Betrieben mit. Gegenstand der Prüfung sind die verschiedenen Teilprozesse der Ausbildung. Dazu gehören beispielsweise die Planung, die praktische Durchführung, die Betreuung der Nachwuchskräfte und die Weiterentwicklung des Ausbildungskonzepts.
Das Verfahren erfüllt damit zwei Aufgaben. Zum einen erhalten Jugendliche und Eltern einen Hinweis darauf, dass sich ein Betrieb intensiv mit seiner Ausbildungsqualität auseinandergesetzt hat. Zum anderen werden Unternehmen dazu angehalten, ihre eigenen Strukturen zu dokumentieren, kritisch zu prüfen und bei Bedarf weiterzuentwickeln.
Eine Zertifizierung bedeutet deshalb nicht, dass sämtliche Prozesse endgültig abgeschlossen oder unveränderlich sind. Gute Ausbildung muss regelmäßig an neue Berufsbilder, technische Entwicklungen, veränderte Erwartungen junger Menschen und betriebliche Anforderungen angepasst werden.
An der Urkundenübergabe nahmen neben Jan Horstmann auch Personalleiterin Agnes Luszczyk und Personalreferentin Melanie Plumpe teil. Aus der Ausbildungsleitung waren Patrick Roling, Peter Kottmann und Timo Deters vertreten.
Die Zusammensetzung der Gruppe verdeutlicht den bereichsübergreifenden Ansatz: Ausbildungsqualität ist nicht allein Aufgabe einzelner Ausbilder. Sie betrifft auch Personalplanung, Fachabteilungen, Lehrwerkstätten und die Führungsebene des Unternehmens.
Die Maschinenfabrik Bernard Krone GmbH & Co. KG hat ihren Sitz in Spelle im südlichen Emsland. Ihre Geschichte reicht bis in das Jahr 1906 zurück. Aus einem handwerklich geprägten Betrieb entwickelte sich ein international tätiger Hersteller von Landmaschinen.
Das Unternehmen konzentriert sich auf Technik für die Grundfutterernte. Zum Programm gehören unter anderem Mähwerke, Wender, Schwader, Ladewagen, Ballenpressen sowie selbstfahrende Mähaufbereiter und Feldhäcksler. Die Maschinen kommen vor allem in landwirtschaftlichen Betrieben und bei Lohnunternehmen zum Einsatz.
Die Maschinenfabrik ist Teil der familiengeführten Krone-Gruppe. Diese ist neben der Landtechnik auch im Nutzfahrzeugbereich tätig. Der Standort Spelle ist für die Landtechniksparte ein wichtiger Entwicklungs-, Produktions- und Verwaltungsstandort.
Für die Region ist das Unternehmen zugleich als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb von Bedeutung. Die eigene Nachwuchsqualifizierung hat dabei eine doppelte Funktion: Sie eröffnet jungen Menschen verschiedene berufliche Einstiegswege und hilft dem Unternehmen, den künftigen Bedarf an Fachkräften aus den eigenen Reihen zu decken.
Die gesetzlich geregelte duale Ausbildung legt verbindliche fachliche Grundlagen fest. Sie bestimmt unter anderem, welche Kenntnisse und Fähigkeiten während eines Ausbildungsberufs vermittelt werden müssen. Wie gut ein Betrieb diese Anforderungen organisatorisch und pädagogisch umsetzt, kann dennoch unterschiedlich sein.
Qualität zeigt sich beispielsweise darin, ob Ausbildungspläne konsequent umgesetzt werden, ob Auszubildende verschiedene relevante Arbeitsbereiche kennenlernen und ob es feste Ansprechpartner für fachliche oder persönliche Fragen gibt. Weitere Faktoren sind eine nachvollziehbare Prüfungsvorbereitung, regelmäßige Rückmeldungen sowie die Möglichkeit, schrittweise selbstständiger zu arbeiten.
Externe Zertifizierungsverfahren können solche Strukturen sichtbarer machen. Sie ersetzen weder die gesetzliche Ausbildungsaufsicht noch den persönlichen Eindruck eines Bewerbers. Sie schaffen aber zusätzliche Vergleichbarkeit und geben Betrieben einen Anlass, ihre Ausbildungsprozesse systematisch zu überprüfen.
Für Jugendliche bleibt es dennoch sinnvoll, sich vor einer Bewerbung selbst ein Bild zu machen. Praktika, Betriebsbesichtigungen und Gespräche mit aktuellen Auszubildenden liefern häufig besonders aussagekräftige Einblicke in den Arbeitsalltag und die Betreuung im Unternehmen.
Weitere Informationen zum IHK-Qualitätssiegel und zum Zertifizierungsverfahren finden interessierte Betriebe unter www.ihk.de/osnabrueck mit der Seitennummer 2778060.
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