Energiewirtschaft

Alarmstufe beim Notfallplan Gas spitzt kritische Lage der Industrie weiter zu

Alarmstufe beim Notfallplan Gas spitzt kritische Lage der Industrie weiter zu

Mit der Ausrufung der Alarmstufe des Notfallplans Gas durch das Bundeswirtschaftsministerium spitzt sich die Lage bei der Energieversorgung weiter zu. Regionale Betriebe geraten dadurch erheblich unter Druck. Beispielrechnungen von mittelständischen Unternehmen aus der Region zeigen, wie dramatisch die Situation schon jetzt ist. Dies wurde beim IHK-Industriegespräch mit dem Europaabgeordneten und Energieexperten Markus Pieper in Osnabrück deutlich. So hat sich der Erdgaspreis in den Beispielfällen schon jetzt binnen weniger Monate mehr als verdoppelt. Ein Unternehmen, das bisher eine knappe halbe Million Euro für Erdgas bezahlte, steht nun mit einer Million Euro in der Pflicht. Einzelne Unternehmen rutschen hierdurch in die Verlustzone. Mittelfristig ist nicht nur mit weiteren gravierenden Preisschüben zu rechnen, sondern mit erheblichen Versorgungsengpässen bei der Gasversorgung. Dies hätte Produktionsstillegungen bei den Betrieben zur Folge.

„Für den Wirtschafts- und Industriestandort unserer Region ist daher eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen von elementarer Bedeutung“, erklärte Dr. Peter Brinkmann, Geschäftsführer der TKT-Kunststoff-Technik GmbH, einem mittelständischen familiengeführten Hersteller von Kunststoffbaugruppen. Denn Gas sei für die Industrie derzeit die wichtigste Energiequelle für die Bereitstellung der Prozesswärme in industriellen Produktionsprozessen wie Brennen, Schmelzen oder Verformen, weil nur Erdgas bei der Verbrennung die benötigten Temperaturen für die Thermoprozesstechnik erreicht.

Dass die Europäische Union die Problematik erkannt hat und an Lösungen arbeitet, erläuterte Dr. Pieper. „Vor allem muss Europa schnell neue Energiepartnerschaften mit anderen Ländern in Asien, Afrika, Australien und auf dem amerikanischen Kontinent schließen. Nur so werden wir unsere Energieversorgung sichern und industrielle Wertschöpfung gewährleisten können. Das ist die Voraussetzung dafür, dass der europäische Green-Deal mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 positive Effekte erzielen kann.“ Pieper, der im EU-Parlament auch Berichterstatter für die Überarbeitung der europäischen Erneuerbaren-Energien-Richtlinie ist, zeigte sich optimistisch, dass bereits 2035 der überwiegende Anteil des Wasserstoffs als Ersatz für Gas aus grünen Quellen stammen wird. Voraussetzung hierfür seien globale, technologieoffene und wettbewerbliche Ansätze.

„Auch den Entscheidungsträgern der EU in Brüssel muss klar sein, dass wir uns in einer Zeitenwende befinden. Ein energie- und klimapolitisches „Weiter so“ hilft niemandem. Wichtig ist eine Neujustierung des energiewirtschaftlichen Zieldreiecks: Es gilt, wieder mehr auf wettbewerbsfähige Energiepreise und die sichere  Versorgung zu achten. Beides ist für den Fortbestand der vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen in unserer Region existenziell“, ergänzte IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf. Er forderte die europäische und nationale Politik auf, ihre bisherigen Prioritäten zu hinterfragen und ihre Maßnahmen anzupassen. „Um ein Moratorium für Regelungen, die die Wirtschaft noch zusätzlich belasten, kommt die Politik nicht mehr herum“, so Graf

Quelle Pressemeldung von  Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim

 

WEWRedakteur

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