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Energiewirtschaft

Windkraftindustrie in der Krise: Tausende Entlassungen bei Enercon in Aurich und Magdeburg

Entlassungen bei Enercon – Windkraftindustrie in der Krise: Enercon streicht in Aurich und Magdeburg 3.000 Stellen

Die negativen Meldungen aus der Windkraftbranche reißen nicht ab: Vor wenigen Tagen verkündete Siemens Gamesa den Abbau von 600 Arbeitsplätzen in den nächsten zwei Jahren, Enercon als einer der größten deutschen Hersteller mit Sitz in Aurich folgt nun mit einer noch schlimmeren Nachricht. An den beiden Standorten Aurich und Magdeburg droht nach Berichten der Verlust von mehr als 3.000 Jobs.

 

Enercon Entlassungen: Massive Umsatzverluste führen zum Stellenabbau

Am Freitag teilte die Geschäftsleitung des Turbinenherstellers Enercon den Mitarbeitern auf außerordentlichen Betriebsversammlungen die Hiobsbotschaft mit: In Aurich und Magdeburg müssen jeweils rund 1.500 Mitarbeiter gehen. Der Chef der Geschäftsführung, Hans-Dieter Kettwig, begründete diese tief greifende Maßnahmen mit der schlechten Gesamtlage in der deutschen Windkraftbranche.

Verschiedene Statistiken belegen diese Einschätzung eindrucksvoll. So reduzierte sich der Zubau laut Bundesverband WindEnergie im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 82 % auf 86 Anlagen mit einer Leistung von 287 Megawatt. Dieser erhebliche Rückgang hinterlässt bei sämtlichen Akteuren in diesem Wirtschaftsbereich inklusive Zulieferer deutliche Spuren in den Auftragsbüchern.

Diese Entwicklung ist seit längerem abzusehen. Enercon hatte seine Mitarbeiter bereits letztes Jahr auf einen Stellenabbau von über 800 Jobs vorbereitet und angekündigt, sich künftig stärker internationaler auszurichten. Aktuell lassen sich gegenteilige Trends beobachten. Während die Branche in anderen Weltregionen boomt, implodiert der deutsche Markt. Hans-Dieter Kettwig macht dafür die Energie- und Klimapolitik der Bundesregierung mitverantwortlich.

 

Scharfe Kritik an der Bundesregierung

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine. Der Bundesverband WindEnergie kritisiert die Bundesregierung ebenfalls und wirft ihr vor, „sehenden Auges den Industriestandort Deutschland“ zu gefährden. Nach Zahlen des Lobbyverbands gingen bis dato 40.000 Arbeitsplätze verloren, angesichts der Ankündigungen von Enercon und anderen Unternehmen dürfe sich der Umfang in nächster Zeit drastisch erhöhen.

Die Kritik an der Bundesregierung gibt es seit einigen Jahren, im Zuge des neuen Klimaschutzpakets hat sie an Lautstärke hinzugewonnen. Das Klimaschutzpaket sieht erstens eine pauschale Abstandsregelung zwischen Windrädern und Wohnhäusern von 1.000 Meter vor. Branchenvertreter weisen darauf hin, dass sich die Anzahl an möglichen Standorten damit enorm reduziert. Zweitens senkt die Regierung das jährliche Zubauziel von 2,9 Gigawatt auf etwa 1,76 Gigawatt.

 

Bürokratie und Widerstände gegen Windräder als weiteres Problem

Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen sich die Unternehmen mit zwei weiteren Problemen konfrontiert: Die Genehmigungsverfahren ziehen sich über lange Zeiträume und vielerorts bilden sich gegen Windräder Bürgerinitiativen, welche den Bau mit Klagen verzögern. Gegner von Windkraftanlagen argumentieren unter anderem mit einer optischen und akustischen Belästigung von Anwohnern, einer angeblichen Verschandelung der Landschaft und Gefahren für Vögel.

Dieser Widerstand macht sich auch politisch bemerkbar. Viele Kommunen weisen nicht die entsprechenden Flächen aus, einige Landesregierungen erschweren Investitionen mit restriktiven Landesgesetzen. In Bayern muss der Abstand zwischen einer Ortschaft und einer Windkraftanlage zum Beispiel das Zehnfache der Höhe des Windrades betragen, bei den meisten Anlagen bedeutet das einen Abstand von rund zwei Kilometern.

 

Entlassungen bei Enercon in Aurich und Deutschland: Sorge um Industriejobs

Viele Wirtschaftsverbände, die Gewerkschaften und Politiker befürchten einen umfangreichen Stellenabbau, der sich nicht auf Turbinenhersteller wie Enercon beschränkt. Der geplante Stellenabbau von 3.000 Jobs bezieht sich ausschließlich auf den Konzern, es gesellen sich bisher nicht bezifferbare Arbeitsplatzverluste bei den Zulieferern und Zeitarbeitsfirmen hinzu. Das erinnert an den Niedergang der Fotovoltaikbranche vor einigen Jahren, bei der insgesamt rund 100.000 Jobs verloren gingen.

Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, zeigt sich besorgt und warnt vor einem „Kahlschlag in der Windindustrie“. Den angekündigten Abbau am Standort Aurich bezeichnet er als katastrophal für die Region Ostfriesland. Zugleich forderte er den Konzern auf, mit klugen Konzepten Arbeitsplätze zu retten und die sozialen Folgen für die betroffenen Mitarbeiter abzufedern.

Weser-Ems-Wirtschaft

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