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Auch Konjunktur ohne Sommermärchen

Auch Konjunktur ohne Sommermärchen

Konsum und Investitionen sind nach wie vor in der Flaute. Die anhaltenden Strukturprobleme bremsen weiterhin. Die Politik hat die Probleme zwar erkannt, bisher aber nur einzelne Erleichterungen angekündigt. „Die Wirtschaft in Niedersachsen kommt nicht voran, die Industrie hat keine Impulse, der private Konsum stagniert. Die Bundesregierung stellt mit ihrer Wachstumsinitiative die Weichen wieder in Richtung Wachstum, entscheidend ist aber die zügige Umsetzung, damit die Maßnahmen ihre Wirkung entfalten können“, so Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen. Der IHK-Konjunkturklimaindikator für das zweite Quartal steht unverändert bei 84 Punkten. Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern mit gut 1.800 Unternehmensantworten.

Im Vorfeld der Fußball-EM bestand die Hoffnung, dass der private Konsum mit einem „Sommermärchen 2.0“ auf Basis deutlich gestiegener Einkommen und sinkender Zinsen einen Schub erfahren würde. Eine begeisterte Stimmung im Land hätte den Verbrauch ankurbeln können, sozusagen als Kontrapunkt zum „Stimmungskiller Heizungsgesetz“. Aber davon ist zurzeit nichts zu sehen.

Im Frühjahr hatte die Befragung der niedersächsischen IHKs ergeben, dass die Unsicherheiten in der Wirtschaftspolitik, hohe Energiekosten, eine zunehmende Regulatorik und nicht zuletzt die hohe Steuerlast als Investitionsbremsen wirken. Jede Entlastung der Unternehmen ist nötig und willkommen. Für die Wachstumsinitiative der Bundesregierung gilt dabei das alte Fußballerzitat „Entscheidend ist auf dem Platz“. Die Maßnahmen müssen bei den Unternehmen ankommen.

Die aktuelle Geschäftslage hat sich vom Frühling zum Sommer kaum verändert, 17 Prozent (Vorquartal: 18 %) der Unternehmen sehen die Lage als gut an, unverändert 56 Prozent sind zufrie­den und ebenfalls gleichbleibend 27 Prozent beurteilen ihre Lage als schlecht. Ähnliches zeigt sich bei den Erwartungen an die kommenden Monate, die sich auf niedrigem Niveau minimal verbessert haben: 10 Prozent der Unternehmen (Vq. 11 %) rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, 58 Prozent (Vq. 56 %) erwarten gleichbleibende Geschäfte und 32 Prozent (Vq. 34 %) rechnen mit einer ungünstigen Entwicklung.

Bei robuster Beschäftigung, sinkender Inflation und leicht nachgebenden Energiepreisen klagen die Unternehmen mehr denn je über die Wirtschaftspolitik und die Bürokratie. 69 Prozent der Unternehmen sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko, was einen historischen Höchstwert darstellt. Unternehmen nennen hier in erster Linie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und zunehmend die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die nun doch nicht nur große, sondern sehr viele Unternehmen betrifft.

Die Geschäftsentwicklung der Industrie stagniert. Die Auftragseingänge haben sich kaum verändert und bleiben schwach, der Auftragsbestand wird von 46 Prozent der Unternehmen als zu klein beurteilt. Die schwachen Wachstumsimpulse des Welthandels machen sich vor allem bei den Investitionsgüterherstellern und ihren Zulieferern bemerkbar und sorgen dort für stagnierende bis rückläufige Geschäfte.

Die aktuelle Geschäftslage der Bauwirtschaft bleibt aufgrund des Auftragsbestands insgesamt noch befriedigend. Im Wohnungsbau ist die Lage zwar zunehmend kritisch, gleichzeitig besteht Hoffnung, dass die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank in Verbindung mit den politischen Weichenstellungen (Novellierung der Niedersächsischen Bauordnung) das Geschäft belebt.

Im Einzelhandel bleiben die Kundinnen und Kunden sehr zurückhaltend. Allein im Lebensmitteleinzelhandel zeigt der Umsatztrend nach oben. Alle anderen größeren Handelsbereiche (Bekleidung, Unterhaltungselektronik, Baumärkte, Möbelhäuser) berichten von roten Zahlen. Die Aussichten werden – trotz steigender Einkommen – nicht besser eingeschätzt. Im Großhandel spiegelt sich die schwache Konsum­neigung, eine Belebung ist gleichfalls nicht in Sicht.

Die Geschäftslage des Verkehrsgewerbes hat sich auf niedrigem Niveau nur unwesentlich verbessert. Die Mauterhöhung sorgt für steigende Beförderungskosten und stellt zugleich Geschäftsmodelle wie fahrende Supermärkte für die ländliche Versorgung in Frage. Die Aussichten bleiben gleichbleibend trüb.

Das Gastgewerbe war mit dem zweiten Quartal nicht zufrieden. Während die Übernachtungszahlen zufriedenstellend waren, mussten im Restaurationsbereich nach der Wiederanhebung der Umsatzsteuer auf Speisen merkliche Umsatzrückgänge hingenommen werden.

Die Geschäftslage der Kreditinstitute wird als gut beurteilt. Das Kreditgeschäft läuft wieder besser. Sowohl Konsumenten- als auch Investitionskredite werden stärker nachgefragt. Bei den Versicherungen laufen die Geschäfte wieder zufriedenstellend, einziger Wermutstropfen bleibt die Zunahme der Schadenfälle.

Die Geschäftslage der Dienstleistungsunternehmen bleibt robust und annähernd befriedigend. Allerdings sind die Auftragseingänge rückläufig und die Aussichten eingetrübt.

Ausblick

„Beim Wachstum sind wir Tabellenletzter. Ein deutlich investitionsfreundlicher Kurs ist notwendig, damit Deutschland nicht abgehängt wird. Die Politik hat endlich erkannt, dass Korrekturen erforderlich sind. Die Wachstumsinitiative der Bundesregierung geht in die richtige Richtung. Jetzt kommt es darauf an, dass den Worten auch Taten fol­gen“, so die Einschätzung der IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt.

Pressemitteilung von: IHK Niedersachsen (IHKN)

Weser-Ems-Wirtschaft

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