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Handwerk

Powerfrau erobert Männerdomäne

Imke Hennig ist die erste Vizepräsidentin in der 125-jährigen Geschichte der Handwerkskammer für Ostfriesland. Die taffe Friseurmeisterin aus Wiesmoor hat sich ihren ehrenamtlichen Posten in einer Vollversammlung mit 22 männlichen und zwei weiblichen Mitgliedern – acht auf der Arbeitnehmerseite und 16 auf der Arbeitgeberseite – mit viel Charme und Courage erarbeitet.

Handwerkerinnen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, finden bei der Handwerkskammer offene Türen. „Ich werde von meinen Kollegen sehr gentlemanlike behandelt“, erzählt sie. In diesem Jahr wurde Imke Hennig in ihre dritte Amtsperiode gewählt. Seit zehn Jahren steht sie der Arbeitgeberseite mit dem Präsidenten Albert Lienemann vor. Damals wären es in den bundesweit 53 Handwerkskammern nur eine Handvoll Frauen gewesen, die einen ehrenamtlichen Spitzenposten eingenommen hätten. „Heute ist das Bild schon viel bunter geworden. Wir sind untereinander stark vernetzt“, berichtet sie. Regelmäßig tauscht sie sich mit 24 Amtskolleginnen aus. Nach und nach brechen die einstigen starren Strukturen auf. Das sei auch ganz gut, meint Imke Hennig. So könnten auch Frauenthemen in den Fokus politischer Diskussionsrunden rücken, wie beispielsweise das derzeitige Thema rund um den Mutterschutz für Selbstständige.

Meisterin ihres Fachs setzt sich fürs Handwerk ein

In ihrer beruflichen Laufbahn war sie immer ehrenamtlich aktiv. „Mein Beruf ist meine Berufung. Ich brenne für das Friseurhandwerk“, erzählt die 41-Jährige. Viele Jahre ist sie als Fachbeiratsleiterin im Modeteam und im Vorstand der Friseur-Innung Aurich-Norden tätig. Regelmäßig werden Frisurenmodenschauen organisiert. Auch bei der Veranstaltung von Nachwuchswettbewerben ist sie führend mit dabei. Ihre Expertise als gelernte Kosmetikerin bringt sie zudem im Fachbeirat für Mode des Landesinnungsverbandes des niedersächsischen Friseurhandwerks ein.

Dass sie in ihrer Rolle als Vizepräsidentin den kompletten Gegenpart zur frauendominierten Friseurbranche einnimmt, macht für sie den Reiz aus. „Den Blick über den Tellerrand zu werfen, hautnah mitzubekommen, was die Gewerke bewegt, etwas auf politischer Ebene mitbestimmen zu können und zu netzwerken – das ist einfach nur spannend“, berichtet die Mutter einer vierjährigen Tochter. Nebenberuflich meistert sie es, auf Freisprechungsfeiern Reden zu halten, die Interessen des Handwerks in der Region sowie auf Landes- und Bundesebene zu vertreten, Veranstaltungen wie die Meisterfeier zu moderieren und noch vieles mehr.

Liebe zum Beruf liegt in den Genen

Die familiäre Unterstützung für ihren Einsatz als Chefin, Mutter und Vizepräsidentin ist groß. Auch ihre Mutter, Friseurmeisterin Else Karls, war jahrelang in der Innungsarbeit aktiv. Von ihr hat Imke Hennig die Liebe zum Beruf und zur Mode in die Wiege gelegt bekommen.

„Ich habe schon als Kind im Geschäft meiner Mutter an den Puppenköpfen mit Schere und Make-up gespielt“, erzählt die Unternehmerin. Nach ihrer Friseur- und Kosmetikausbildung sattelte sie den Meistertitel auf, um 2007 in den seit 1983 bestehenden Familienbetrieb in Wiesmoor einzusteigen. „Ich wollte mich nicht ins gemachte Nest setzen, sondern auch etwas Eigenständiges aufbauen“, berichtet sie. So führte das Mutter-Tochter-Gespann zeitweise erfolgreich drei Filialen. „Die Kombination aus langjähriger Erfahrung meiner Mutter und neuen Ideen von mir war einfach Gold wert.“ Es folgte 2014 die Eröffnung eines großen Neubaus unter dem Namen „Hair Fashion“ an der Hauptstraße 141 in Wiesmoor. Mit dem Rückzug von Else Karls aus dem Betrieb Ende 2018 war der Sprung in die alleinige Selbstständigkeit mit neun Mitarbeitenden bestens geregelt.

Ob schneiden, kolorieren, föhnen, hochstecken, locken oder glätten: Damen, Herren und Kinder werden in den großzügigen Räumlichkeiten mit zwölf Friseurplätzen und vier Waschtischen bedient. Damit aktuelle Modetrends – etwa zum Färben, zur Haarverdichtung und -verlängerung oder zum Hochstecken – ins Repertoire einfließen können, sind der Unternehmerin regelmäßige Mitarbeiterschulungen wichtig. Auch für die Ausbildung macht sich die Meisterin stark: Die Neustarter werden bei Wettbewerben und Schulungen unterstützt.

Pressemeldung von  Handwerkskammer für Ostfriesland

Weser-Ems-Wirtschaft

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