Aufholjagd bei Digitalisierung in Niedersachsen ist im vollen Gange

Minister Althusmann: „Digitalisierung ist mehr als Breitbandausbau”

Die Zahlen können sich sehen lassen: 2017 hatten weniger als 1 Prozent aller Gebäude einen Gigabitanschluss für schnelles Internet. Mit einem Gesamtvolumen von mehr als 2 Mrd. Euro und 230 geförderten Maßnahmen geht der Ausbau in Niedersachsen jetzt deutlich voran. 430 000 Gebäude, davon 1000 Schulen, sind damit am schnellen Netz. Das entspricht einer Versorgung von 20 Prozent aller Gebäude.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann informierte heute in Hannover über den aktuellen Stand der Digitalstrategie Niedersachsen: „Beim Breitbandausbau liegen wir gut im Rennen. Unser Ziel bleibt die vollständige Versorgung aller Haushalte in Niedersachsen mit gigabitfähigen Anschlüssen bis 2025. Das geht natürlich nicht ohne zusätzliches Engagement der Telekommunikationsanbieter.”

Vodafone hat im Rahmen einer Digitalpartnerschaft bereits zugesagt, rund 65 Prozent aller Haushalte im Land über das Kabelnetz bis Ende 2020 mit Gigabitanschlüssen zu versorgen. So schafft es Niedersachsen im gestern erschienenen Breitbandatlas der Bundesregierung bereits an die 4. Stelle der Flächenländer. 37,4 Prozent der Haushalte sind jetzt gigabitfähig. Um Gewerbegebiete, niedersächsische Seehäfen, Schulen, Universitäten, Hochschulen bis Ende 2021 gigabitfähig zu versorgen und „weiße Flecken” zu erschließen wurde im Juni eine neue Förderrichtlinie gestartet. 220 Mio. EUR stehen hierfür zur Verfügung.

Im Bereich Mobilfunk soll die nächste Aufholjagd beginnen

Als erstes Bundesland hat Niedersachsen mit Hilfe der Mobilfunkanbieter realistische Versorgungskarten erstellt. Seit Herbst 2018 werden pro Quartal mind. 250 Mobilfunkmasten LTE-fähig gemacht und sorgen für besseres mobiles Internet. „Die noch verbliebenen weißen Flecken im Land, in denen mobiles Internet (136), mobiles Telefonieren (99) nicht möglich sind, müssen bis Ende 2021 verschwinden”, betont Althusmann und setzt dabei auf den Ausbau der landeseigenen Mobilinfrastruktur (BOS-Funkstationen), auf 20 Mio. EUR Mobilfunkförderung und auf den eigenwirtschaftliche Ausbau der Industrie.

Auch beim Ausbau der digitalen Infrastruktur bleibt der Bürokratieabbau ein Fokusthema des Wirtschaftsministeriums. Tempo und Abläufe bei der Erteilung von Baugenehmigungen werden immer wieder hinterfragt, betont Althusmann.

Vor elf Monaten hat die Landesregierung den Masterplan Digitalisierung gestartet. Neben dem wichtigen Ausbau der Infrastruktur für schnelles Internet, Mobilfunk und freies WLAN gibt es weitere zentrale Handlungsschwerpunkte in Wirtschaft und Gesellschaft. Insgesamt 1 Mrd. EUR sind für die Digitalstrategie in der Landesregierung eingeplant.

Ab August startbereit ist der Digitalbonus: Kleine und mittelständische Unternehmen können bis zu 10.000 EUR für Investitionen in IT-Sicherheit, Hard- und Software beantragen, 5 Mio. EUR stehen bis Ende 2021 jährlich dafür bereit. Gut nachgefragt von Mittelstand und Handwerk ist die Digitalagentur Niedersachsen, die seit Dezember 2018 Unterstützungsangebote zu Förderung und Beratung aus einer Hand bietet. Und weil die digitale Transformation auch qualifizierte Mitarbeiter braucht, wurde im April 2019 mit 2 Mio. EUR das Förderprogramm „Weiterbildung in Niedersachsen” mit Digitalisierung als Schwerpunkt gestartet.

Stetige Herausforderung bleibt der schnelle Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. 3 Mio. EUR sind für die Förderung dezentraler „Digital-Hubs” eingeplant. Im 4. Quartal soll die notwendige Richtlinie stehen. Die Hubs sollen digitale Innovationen auf den Gebieten Künstliche Intelligenz, Blockchain, Open Data oder Telematik vorantreiben. Die Forschungsaktivitäten im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) werden seit dem 1. April in Osnabrück und Oldenburg durch ein Labor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) vorangetrieben.

Darüber hinaus werden die ersten 17 Digitalprofessuren in Niedersachsen besetzt. Hier läuft das Begutachtungsverfahren. Althusmann erwartet, dass der Klimaschutz immer stärker zum Innovationstreiber der Digitalisierung wird: „Ich gehe davon aus, dass die Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und Klimaschutz die Art und Weise, wie wir leben, lernen und arbeiten in Zukunft noch stärker als bisher beeinflussen werden.”

Regelmäßige Anstöße von außen soll der DigitalRat Niedersachsen geben, der von Experten unterschiedlicher Professionen gebildet wird. Mitglied Prof. Dr. Gerhard Wegner fordert eine neue Bildungsbewegung zum Erlernen Digitaler Souveränität: „Wir müssen den Maschinen sagen können, was sie mit uns gemeinsam tun sollen. Algorithmen kennen keine Barmherzigkeit.” DigitalRat-Mitglied Peter Leppelt fordert ein Pflichtfach Informatik und vor allem das Vermitteln von Erkenntnistheorie in den Schulen: „Jeder Einzelne muss lernen, Fakten von Meinungen und Unsinn zu unterscheiden.”

Alle Infos finden Sie auch unter: http://www.mw.niedersachsen.de/startseite/themen/digitalisierung/niedersachsen-werden-teil-des-masterplans-digitalisierung-163539.html

Quelle: Pressemeldung Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung