Das Wasser in den Mooren halten

Das Wasser in den Mooren halten
Bild: Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz

Das Wasser in den Mooren halten

Heiße, trockene Sommer, sinkende Grundwasserspiegel – die Folgen des Klimawandels wirken sich negativ auf natürliche Lebensräume aus. Besonders betroffen sind Hochmoore, deren Wasserbedarf allein durch Niederschläge gedeckt werden muss. In den Naturschutzgebieten Siedener Moor und Diepholzer Moor im Landkreis Diepholz führt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) derzeit Maßnahmen durch, um den Wasserhaushalt der Hochmoore wiederherzustellen und die wertvollen und sensiblen Lebensräume mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten und zu entwickeln.

Zusätzlich zur großflächigen Wiedervernässung hydrologisch beeinträchtigter Hochmoorstandorte befasst sich der NLWKN im Rahmen des Projekts „Umsetzung und Erprobung hydrologischer Optimierungsmaßnahmen in Hochmooren der Diepholzer Moorniederung” des NLWKN auch mit der Problematik, ob und wie der Wasserhaushalt stark vorgeschädigter Hochmoorstandorte trotz deutlicher hydrologischer Defizite optimiert werden kann.

 

Wiedervernässung von Hochmoorflächen

Zur einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt in den Naturschutzgebieten Siedener Moor und Diepholzer Moor zählen seltene und stark gefährdete Arten wie die Bekassine, die Große Moosjungfer und der Sonnentau. Im Zuge der Maßnahme werden unter anderem mehr als 50 Hektar ungenutzter Moorfläche wiedervernässt und renaturiert. Zur Vorbereitung der Wiedervernässung werden beginnend im Januar und Februar 2021 ausgewählte Hochmoorflächen von Gehölzen freigestellt. Wertvoller strukturreicher Moorwald wird dabei geschont und – wo möglich – im weiteren Projektverlauf gezielt wiederhergestellt. Hierbei erfolgt zusätzlich zur unerlässlichen Anhebung der Wasserstände ein Auflichten zu dichter Gehölzbestände. Die niedrigwüchsige hochmoortypische Vegetation aus Heidegewächsen und Moosen kann sich auf diese Weise wieder etablieren.

In der Vergangenheit wurden zahlreiche Hochmoore in Niedersachsen zur Torfgewinnung entwässert. Besonders der Torfabbau im sogenannten Stichverfahren hinterließ oft ein Mosaik aus feuchten Senken und trockeneren Erhebungen. In derart vorgeschädigten und wechselfeuchten Torfstichfolgelandschaften breiten sich Pioniergehölze wie die Moorbirke und der Faulbaum rasch aus. Das ist problematisch, da diese Gehölze dem Boden über die Wurzeln Wasser entziehen und zusätzlich über die Blätter verdunsten. Gleichzeitig wird ein Teil des Regenwassers vom Blattwerk zurückgehalten und verdunstet, bevor es den Boden erreichen kann. Die für die Hochmoore so wichtigen Torfmoose erhalten unter dem dichten Blätterdach der Baumkronen nicht genug Wasser und Licht, und werden mehr und mehr zurückgedrängt.

Die komplexe Topographie der durch den früheren Torfstich geprägten Hochmoore mit klein- und großflächigen Höhenunterschieden stellt besondere Anforderungen an die Maßnahmen des NLWKN. Bei den Arbeiten werden die vorhandenen Geländestrukturen ausgenutzt, um den bestmöglichen Wiedervernässungserfolg bei gleichzeitig möglichst geringem Eingriff in die natürlichen Lebensräume zu erzielen.

 

Erprobung der hydrologischen Optimierung von Problemstandorten im Naturschutzgebiet Dievenmoor

Im Rahmen der Fragestellung, ob und wie der Wasserhaushalt stark vorgeschädigter Hochmoorstandorte trotz deutlicher hydrologischer Defizite optimiert werden kann, werden im Naturschutzgebiet Dievenmoor im Landkreis Osnabrück mehrere Versuchsflächen angelegt. Anhand dieser Erprobung soll der Einfluss der Gehölze, des Grundwasserspiegels und der Bodeneigenschaften auf die Wasserstanddynamik im Moorkörper genauer beleuchtet werden, um möglichst gezielte Wiedervernässungsmaßnahmen abzuleiten.

Das Dievenmoor als Torfstichfolgelandschaft weist auch heute noch eine Torfschicht von bis zu sechs Metern auf und besitzt somit als bedeutender Kohlenstoffspeicher eine hohe Bedeutung für den Klimaschutz.

Das Projekt, das im Mai 2020 startete, wird nach der Förderrichtlinie ‚Klimaschutz durch Moorentwicklung’ (KliMo) aus dem europäischen EFRE-Fonds sowie aus Landesmitteln mit insgesamt 1,08 Millionen Euro gefördert. Die Maßnahmenumsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Diepholz und Osnabrück.