Niedersächsisches Quantenbündnis holt die Wirtschaft ins Boot

Niedersächsisches Quantenbündnis holt die Wirtschaft ins Boot

Niedersächsisches Quantenbündnis holt die Wirtschaft ins Boot

Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll der erste Quantencomputer mit 50 Qubits in Niedersachsen an den Start gehen. Die Initiative Quantum Valley Lower Saxony (QVLS) hat das Projekt heute Vertreterinnen und Vertretern der Industrie, Wissenschaft und Wirtschaft im Rahmen einer Auftaktveranstaltung vorgestellt. „Die Quantentechnologie gibt uns den Schlüssel für die Zukunft in die Hand“, so Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler. „In den vergangenen zehn Jahren haben wir 220 Millionen Euro in die Quantenforschung investiert. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir das Wissen bündeln und praktisch nutzbar machen müssen. Dafür brauchen wir die Wirtschaft und die Industrie. Denn sie werden es sein, die profitieren – und natürlich die Gesellschaft.“

„QVLS verfolgt einen der weltweit vielversprechendsten technologischen Ansätze: Quantencomputing mit gefangenen Ionen. Die hohe Dichte an kooperierenden Institutionen, exzellenten Forschern und interessierten Unternehmen verspricht innerhalb weniger Jahre Ergebnisse mit internationaler Relevanz.“ sagt Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Gründungsbeauftragter QVLS und ehemaliger Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

„Volkswagen beschäftigt sich bereits seit 2015 umfassend mit dem Thema Quantencomputing. Wir sehen in der Technologie großes Potenzial und machen gute Fortschritte bei Anwendungen in der Materialforschung, künstlichen Intelligenz und Optimierung wie beispielweise von Logistik- oder Verkehrsfluss. Wir wollen unser Spezialwissen weiter ausbauen und verstehen, für welche industriellen Zwecke sich Quantencomputing im Volkswagen Konzern sinnvoll einsetzen lässt.“ so Beate Hofer, Chief Innovation Officer der Volkswagen AG.

Führende Forschungseinrichtungen, Unternehmen und das Land Niedersachsen hatten sich im Oktober vergangenen Jahres zum Bündnis Quantum Valley Lower Saxony zusammengeschlossen, um die Expertise von mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den beteiligten Institutionen zu bündeln. Das Land Niedersachsen und die VolkswagenStiftung fördern die Forschung der Initiative in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 25 Millionen Euro.

„Das QVLS-Konsortium umfasst das gesamte notwendige theoretische und experimentelle Fachwissen in Kombination mit den erforderlichen Produktionsanlagen. Somit haben wir eine besondere Voraussetzung für den erfolgreichen Bau eines Quantenrechners erfüllt: wir haben alle Kompetenzen unter einem Dach“, sagt Dr. Bernd Jungbauer, seit 1. Januar Geschäftsführer des QVLS e. V.

Der Zusammenschluss wird unterstützt durch den Verein QVLS. Dieser wurde bereits im vergangenen November auf Initiative des Niedersächsischen Wissenschaftsministers ins Leben gerufen. Der Verein ist für die Zusammenarbeit aller Interessierten aus den Bereichen Lehre, Forschung, Innovation und Forschungstransfer im Feld der Quantentechnologie gedacht.  Er soll im Rahmen der Entwicklung eines Quantencomputers wachsen. „Mit diesem Verein schaffen wir ein Netzwerk, das die Akteure in diesem Gebiet zusammenführt und zur weiteren Positionierung Niedersachsens im Bereich dieser neuen Technologie beitragen wird. Wir möchten zur Zusammenarbeit ermutigen und freuen uns über neue Mitglieder und ihre Impulse“, so Thümler. Interessierte können sich auf www.qvls.de informieren oder direkt an Dr. Bernd Jungbauer wenden.

Hintergrund: Quantencomputer und Ionenfallen-Technologie

Wie die Grundrecheneinheit Bit bei einem normalen Computer kann auch die Grundrecheneinheit des Quantencomputers ‒ ein Qubit ‒ die Zustände 0 oder 1 annehmen. Anders als bei einem normalen Computer kann ein Qubit jedoch auch alle Zustände dazwischen einnehmen. Deshalb steigt die Information, die ein Quantencomputer speichern und verarbeiten kann, exponentiell mit der Zahl der Qubits.
Bei der Ionenfallen-Technologie werden Ionen ‒ geladene Atome ‒ als Grundrecheneinheit des Computers verwendet, ein Ion ist ein Qubit. Mithilfe von elektrischen Feldern werden diese Ionen eingefangen und durch Radiowellen sowie Laserstrahlen kontrolliert. Diese Technik ist einer der vielversprechendsten Ansätze zur Realisierung eines Quantencomputers mit signifikanter Rechenleistung.

Quelle Pressemeldung von  Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur