„Wasserstoff-basierte Eisenerz-Direktreduktion am Standort Wilhelmshaven“: Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen

„Wasserstoff-basierte Eisenerz-Direktreduktion am Standort Wilhelmshaven“: Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen

„Wasserstoff-basierte Eisenerz-Direktreduktion am Standort Wilhelmshaven“: Machbarkeitsstudie erfolgreich abgeschlossen

Am heutigen Mittwoch haben die Studienpartner – bestehend aus den Stahlherstellern Salzgitter und ArcelorMittal, dem Energieunternehmen Uniper, dem Logistikspezialisten Rhenus, der Stadt Wilhelmshaven und dem Land Niedersachsen – die Ergebnisse ihrer Machbarkeitsstudie zu Potenzial und Perspektive einer Eisenerz-Direktreduktionsanlage auf Basis grünen Wasserstoffs am Standort Wilhelmshaven der niedersächsischen Landesregierung vorgestellt.

An der Videokonferenz nahmen neben hochrangigen Unternehmensvertretern der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, Dr. Bernd Althusmann, Olaf Lies, Minister für Umwelt, Energie Bauen und Klimaschutz, Matthias Wunderling-Weilbier, Staatssekretär im Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, und der Oberbürgermeister der Stadt Wilhelmshaven, Carsten Feist, teil.

Die Studie analysiert die technischen, genehmigungsrechtlichen, logistischen und versorgungsspezifischen Grundlagen für die Errichtung und den Betrieb einer Großelektrolyse mit einer Leistung von 410 Megawatt. Der vor Ort zu erzeugende Wasserstoff ließe sich zur Produktion von jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen grünen Eisenschwamms einsetzen. Dadurch könnten bei zügiger Umsetzung bereits vor 2030 über zwei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Zudem verfügt der Standort Wilhelmshaven laut Studie über ein erhebliches industrielles Erweiterungspotenzial. Die Region zeichnet sich durch die unmittelbare Nähe zum Tiefwasserhafen, eine vor Ort schnell ausbaufähige logistische Infrastruktur und einen vergleichsweise günstigen Zugang zu erneuerbaren Energien aus. Diese Standortvorteile könnten zeitnah im Rahmen eines industriellen Gesamtkonzeptes und unter Einsatz nationaler und regionaler Strukturhilfen genutzt werden. Hierzu zählen insbesondere vorbereitende Investitionen in die Infrastruktur, zum Beispiel zur Anbindung an die Erdgas- und Wasserstoffversorgung.

Die Konferenzteilnehmer verständigten sich darauf, im nächsten Schritt den Nachweis der Wirtschaftlichkeit für ein Projekt unter dem Titel „DRI@Coast” im Kontext eines industriellen Gesamtkonzeptes führen zu wollen. Die Eisenschwammproduktion in Wilhelmshaven bietet die Chance, den eingeleiteten Transformationsprozess der Stahlindustrie in Deutschland zu stärken.

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann begrüßt die Machbarkeitsstudie zur wasserstoffbasierten Eisenerz-Direktreduktion am Standort Wilhelmshaven durch das Unternehmenskonsortium: „Das Ergebnis zeigt die großen Potenziale des Industriestandortes Wilhelmshaven. Das Land Niedersachsen wird den Standort auch weiterhin bei der Transformation zu einem modernen und nachhaltigen Industriestandort mit den Assets wie Tiefwasserhafen, Windenergie, Wasserstoff begleiten. Im Rahmen der Industriepolitik Niedersachsens kann Wilhelmshaven für die Dekarbonisierung der Stahlindustrie und für die norddeutsche Wasserstoff-Strategie ein wichtiger Standort sein.”

Umweltminister Olaf Lies: „Diese Machbarkeitsstudie zeigt die großen Chancen für den Aufbau eines ganz neuen Industriestandortes in Wilhelmshaven. An Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen finden wir hervorragende Voraussetzungen für die klimaneutrale Herstellung von Eisenschwamm: Saubere Energie aus On- und Offshore-Wind ist hier direkt verfügbar – genauso wie der notwendige Bahnanschluss und die Industrieflächen und damit ausreichend Platz für die Direktreduktionsanlage inklusive sauberer Wasserstoffproduktion. Das würde die Erzeugung von jährlich zwei Millionen Tonnen Eisenschwamm bei einem CO2-Einsparpotenzial bis zu 2,3 Millionen Tonnen noch vor 2030 möglich machen.

Gleichzeitig zeigt die Studie auch, welche Aufgaben hier noch vor uns liegen. Dabei geht es unter anderem um den Anschluss an das Gasnetz, den Umstieg auf eine 380 kV-Stromversorgung für die Elektrolyse sowie Investitionen in Infrastruktur, Massengutlogistik, Wasserelektrolyse und Direktreduktion. Diese Aufgaben gilt es nun anzugehen. Das Potenzial für den Standort ist dabei groß. Zunächst können hier 200 Industriearbeitsplätze entstehen. Und solche Ansiedlungen haben immer Magnetwirkung für weitere Investitionen am Standort. Das zeigt auch: Beim Klimaschutz geht es um viel mehr als nur um CO2-Reduktion. Klimaschutz zusammen mit einer intelligenten Industriepolitik sichert den Standort Deutschland und schafft neue, gute Arbeitsplätze.”

Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier: „Wilhelmshaven hat das Potenzial, mit Hilfe von Land, Bund und EU zur niedersächsischen Energiedrehscheibe zu werden. Dazu befindet sich unser Ministerium derzeit in sehr erfolgsversprechenden Gesprächen mit der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik. Es geht uns um eine Transformation, die Fördermöglichkeiten hebelt, die Region stärkt und auch den Ansprüchen von Natur- und Klimaschutz gerecht wird. Mit den 157 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz für die Kohlregionen wollen wir Wilhelmshaven in den nächsten Jahren weit voranbringen. Die Realisierung einer Direktreduktionsanlage ist ein guter Baustein für einen solchen Aufbruch. Die dafür notwendige Prozesskette wird von uns in enger Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium sowie dem Energie- und Umweltministerium aufgestellt.”

Wilhelmshavens Oberbürgermeister Carsten Feist: „Die Stadt Wilhelmshaven ist heute bereits die Energiedrehscheibe Deutschlands und wird sich im Rahmen der Initiative Energiedrehscheibe 2.0 zu einer „grünen Energiedrehscheibe” weiterentwickeln. Im Rahmen der Dekarbonisierung der Industrie sehe ich bezogen auf unsere Standortpotenziale erneuerbarer und klimaneutraler Energien große Chancen für Wilhelmshaven und die Region für industrielle Ansiedlungen und eine klimaneutrale Wirtschaft. Insofern freue ich mich über das gemeinschaftliche Projekt „DRI@Coast” und die im Rahmen der Machbarkeitsstudie aufgezeigten Potenziale. Wir wollen diese nunmehr konsequent nutzen und im engen Dialog mit den politischen Gremien unserer Stadt und allen beteiligten Akteuren aus Industrie, Wirtschaft und Politik die Weichen für die nachhaltige Zukunft stellen.”

Quelle Pressemeldung von  Nds. Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung