ArbeiterKind – Anzahl der Nicht-Akademikerkinder an den Hochschulen erhöhen

Arbeiterkind
ArbeiterKind.de möchte Schüler aus Familien ohne akademischen Hintergrund ermutigen, ein Studium anzustreben. Hierzu bietet die Initiative allen Interessenten ein breit gefächertes Informationsangebot im Internet.

ArbeiterKind – Anzahl der Nicht-Akademikerkinder an den Hochschulen erhöhen

Gleiche Bildungschancen für alle? Ein Schlagwort, das bereits seit vielen Jahrzehnten immer wieder für Diskussionsstoff sorgt. Reicht es aus, wenn der Staat Hilfebedürftige mit BAFÖG unterstützt? Sind damit alle Möglichkeiten hinreichend ausgeschöpft und erlaubt es diese Art der finanziellen Unterstützung wirklich allen Bildungswilligen zu studieren?

“DIE STUDIENFINANZIERUNG IST NUR AUF DIE MITTELSCHICHT AUSGERICHTET”

Wie Katja Urbatsch, Gründerin der Initiative ArbeiterKind.de in einem Interview mit der “Zeit” ausführte, reichen Bafög, Stipendien und Kredite nicht aus, um Studienwilligen den Weg an die Uni zu ebnen. Kinder aus finanziell schlecht bestellten Familien haben kaum eine Chance, die zu Beginn eines Studiums anfallenden Kosten aufzubringen. Die oft recht hohen Studiengebühren müssen vor Aufnahme des Studiums errichtet werden.

Eventuell steht ein Umzug bevor, ein Zimmer muss angemietet werden, wofür ebenfalls vor Studienbeginn Miete entrichtet und eine Kaution gestellt werden muss. Selbst wer berechtigt ist, Bafög zu beziehen, steht vor immensen Problemen. Er müsste mit zahlreichen Kosten in Vorleistung treten, da Bafög erst dann gezahlt wird, wenn die Immatrikulation erfolgt ist und das nicht einmal sofort. In der Regel sind längere Wartezeiten hinzunehmen.

Auch bei Stipendien, die sowieso nur einem äußerst geringen Teil der Studierenden vorbehalten sind, sieht es ähnlich aus. Auch sie werden erst zeitlich versetzt zur Studienaufnahme gezahlt. Häufig wird als Alternative die Aufnahme eines Kredites angesprochen. Wer allerdings keinen entsprechenden finanziellen Hintergrund hat, bekommt auch keinen Kredit. Ohne festes Einkommen oder einen Bürgen gehen die Erfolgsaussichten auf eine Bewilligung gegen Null. Beides haben potenzielle Studienanfänger aus Arbeiterkreisen nicht zu bieten.

 

ArbeiterKind.de – Hilfe für Arbeiterkinder, die gerne studieren möchten

Die Situation ist trotz aller Bemühungen fatal. Aus der Sicht von Katja Urbatsch herrscht ein folgenreicher Fehler im System. Statt über Bafög-Erhöhungen zu sprechen, die sozial schwachen Studierenden den Zugang zu den Hochschulen erleichtern sollen, müsse verschärft darüber nachgedacht werden, das weit aus größere Problem, die erforderliche Vorfinanzierung, aus dem Weg zu räumen. Dieser Aufgabe hat sich Katia Urbatsch gestellt und gemeinsam mit ihrem Bruder Marc Urbatsch und Wolf Dermann die gemeinnützige ArbeiterKind.de GmbH zur Förderung des Hochschulstudiums von Nicht-Akademikerkindern ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, den Anteil der Nicht-Akademikerkinder an den Hochschulen zu erhöhen und ihnen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Studienabschluss Unterstützung zu gewähren.

Wie aus Erhebungen des Deutschen Studentenwerks (DSW), des Hochschul-Informations-Systems (HIS) und des Statistischen Bundesamts hervorgeht, starten 83 von 100 Akademikerkindern eine Hochschulkarriere. Bei den Kindern aus nicht akademischen Familien sind es zum Vergleich nur 23 Kinder, obwohl eigentlich doppelt so viele die nötigen Qualifikationen vorweisen können.

Die Ursache hierfür sieht ArbeiterKind.de nicht nur in der finanziellen Belastung, sondern auch in einem vorherrschenden Informationsdefizit und kulturellen Vorbehalten im familiären Umfeld. Viele Abiturienten aus Arbeiterfamilien, oder Heranwachsende mit vergleichbaren Abschlüssen, die eigentlich zu einem Studium berechtigt wären, verfügen nicht über genügend Informationen, welche Möglichkeiten ihnen für die Finanzierung eines Studiums zur Verfügung stehen.

 

Schüler aus Familien ohne akademischen Hintergrund ermutigen

ArbeiterKind.de möchte Schüler aus Familien ohne akademischen Hintergrund ermutigen, ein Studium anzustreben. Hierzu bietet die Initiative allen Interessenten ein breit gefächertes Informationsangebot im Internet. Hier gibt es neben Tipps zur Finanzierung auch eine hilfreiche Unterstützung für alle anfallenden Alltagsprobleme. ArbeiterKind.de möchte sich dabei nicht nur auf eine Online-Hilfe beschränken.

Um hilfesuchenden Schülern und Studierenden möglichst umfassend zur Seite stehen zu können, hat ArbeiterKind.de ein deutschlandweites Netzwerk mit über 6000 ehrenamtlichen Mentoren aufgebaut. Ob am abendlichen Stammtisch oder in einem individuellen Beratungsgespräch – wer Fragen hat, findet hier hilfreiche Unterstützung. Zur Zeit gibt es über ganz Deutschland verteilt 80 Ortsgruppen. Hilfe findet man zum Beispiel bereits in Berlin, Bremen. Frankfurt/Main, Gießen, Hamburg und vielen weiteren Städten.

Für Ihr Engagement wurde Katja Urbatsch als Gründerin und Geschäftsführerin der Initiative mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Eine Wertschätzung, die ihr für ihren langjährigen Einsatz für mehr Bildungsgerechtigkeit zuteilwurde. Es wäre schön, wenn das Vorbild von Frau Urbatsch und ihren vielen Helfern dazu beitragen könnte, dass man auch von offizieller Seite über das ein oder andere Problem nachdenken und nach neuen Lösungen suchen würde.

Alle Schüler und Studienwilligen, die Fragen haben, sich nicht sicher sind, ob ein Studium das Richtige für sie ist, oder nicht wissen, wie sie das Studium finanzieren sollen, sind herzlich eingeladen, sich an eine der vielen Anlaufstellen von ArbeiterKind.de zu wenden.