IHK-Ländersommerabend: Russland bleibt weiter ein wichtiger strategischer Partner

Statement von IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf zu dem neuen touristischen ICE-Angebot zwischen München, Emden und Norddeich Mole:

IHK-Ländersommerabend: Russland bleibt weiter ein wichtiger strategischer Partner

„Die Auswirkungen des Shutdowns haben fast alle Bereiche unserer Wirtschaft getroffen“, erklärte IHK-Präsident Uwe Goebel in seiner Begrüßung zum Ländersommerabend der IHK in Osnabrück. Auch die exportorientierten Unternehmen aus der Region spürten die Auswirkungen von Corona. Bis heute seien die Liefer- und Wertschöpfungsketten gefährdet und zum Teil brüchig. Es sei deshalb entscheidend, auch im internationalen Geschäft wieder zur Normalität zurückzukehren. Das treffe auch für Russland zu, das beim diesjährigen IHK-Ländersommerabend im Mittelpunkt stand.

„Russland ist ein Land, zu dem Deutschland und unsere Region traditionell enge Handelsbeziehungen pflegen. Diese Beziehungen haben seit 2014 durch Sanktionen und Gegensanktionen allerdings erheblich gelitten“, führte Goebel aus. Die IHK setze sich deshalb gemeinsam mit der Niedersächsischen Landesregierung dafür ein, diese weiterhin bestehenden Beschränkungen im Russland-Geschäft schnell wieder abzubauen.

„Im Mittelpunkt stehen für uns hier die Sanktionen der Europäischen Union gegenüber Russland. Der Blick auf die Realität zeigt für uns nämlich eines sehr deutlich: Die Sanktionen haben sich als nicht wirksam erwiesen. Im Gegenteil: Sie schaden den regionalen Unternehmen“, so der IHK-Präsident. Es sei dringend geboten, sich für freien Handel und gegen Protektionismus einzusetzen, um dem internationalen Handel verlässliche Rahmenbedingungen zu geben. „Wer für Freihandel ist, kann Sanktionen nicht gut finden”, sagte Goebel.

Russland ist ein wichtiger strategischer Partner für Deutschland und die Europäische Union“, betonte auch Gastredner Michael Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung des Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft e. V., in seinem Vortrag. Ein gutes partnerschaftliches Verhältnis zu Russland sei schon deshalb wichtig, um zwischen den mächtigen Wirtschaftsblöcken China und USA zu bestehen.

„Allerdings macht es Russland seinen westlichen Handelspartnern nicht leicht. Die Sanktionen der EU haben in Russland eine Zunahme von protektionistischen Maßnahmen zur Importsubstitution bewirkt, die sich durch die Corona-Krise noch verstärken dürfte“, erklärte Harms, der von 2007 bis 2016 auch Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer in Moskau war.

Dennoch gebe es für deutsche Unternehmen gute Geschäftsmöglichkeiten in der Russischen Föderation. Harms wies etwa darauf hin, dass die russische Wirtschaft im Bereich der Digitalisierung enorme Fortschritte gemacht habe und in dieser Branche Wachstumspotenziale vorhanden seien. Die Digitalisierung biete deutschen Unternehmen Chancen für den Einstieg in den russischen Markt.

Hinderlich für ein wirtschaftliches Engagement in Russland seien inzwischen jedoch auch US-Sanktionen gegenüber Russland, die – gerade mit Blick auf Deutschland – eine extraterritoriale Wirkung hätten. Als Beispiel führte Harms die Bestrebungen der USA an, den Weiterbau und Inbetriebnahme der Pipeline „Nordstream 2“ zu verhindern. In der Praxis könnte das dazu führen, dass deutsche Unternehmen für eine Beteiligung an diesem Projekt bei ihren Geschäftsaktivitäten in den USA beeinträchtigt würden. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass der Pipelinebau trotz der bestehenden Hindernisse fertiggestellt werde.

Zum Hintergrund: Russland gehört für die regionalen Unternehmen zu den wichtigsten Exportmärkten außerhalb der EU. Über 250 Betriebe sind dort inzwischen aktiv, teilweise mit eigenen Niederlassungen.

Quelle: Pressemeldung Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim