Trump führt 10%-Zollpaket ein – Globale Handelsordnung unter Druck

Trump führt 10%-Zollpaket ein – Globale Handelsordnung unter Druck

Am 2. April 2025 kündigte US-Präsident Donald Trump ein neues Zollpaket an: Pauschale 10 % Importzölle auf eine breite Palette von Industrie- und Konsumgütern. Diese Rückkehr zum Protektionismus hat weitreichende Folgen für den Welthandel, die globalen Lieferketten, Finanzmärkte und die US-Wirtschaft.

Globale Reaktionen:

Weltweit löste die Ankündigung Kritik und wirtschaftliche Unruhe aus. Besonders betroffen sind international verflochtene Branchen wie Elektronik, Maschinenbau und Automobilindustrie. Auch Schwellenländer, die stark vom US-Export abhängen, geraten unter Druck.

EU und Deutschland unter Zugzwang:

Die EU plant Ausgleichszölle und zeigt sich dialogbereit – jedoch nur bei Rücknahme der Maßnahmen. Deutschland ist mit seiner Autoindustrie besonders betroffen: Hersteller wie BMW oder VW fürchten Absatzverluste und müssen ihre Lieferketten neu strukturieren.

Finanzmärkte reagieren nervös:

Die Börsen sackten ab, der Goldpreis stieg. Exportorientierte Unternehmen und Tech-Konzerne litten besonders stark. Der US-Dollar verlor an Stärke, während die Unsicherheit an den Märkten zunimmt.

Inflation in den USA im Aufwind:

Höhere Preise für importierte Waren treffen vor allem einkommensschwächere Haushalte. Die US-Notenbank steht vor einem Dilemma zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsförderung.

Langfristige Risiken für die USA:

Kurzfristige Vorteile wie Industrieschutz könnten langfristig durch steigende Kosten, internationale Gegenreaktionen und sinkende Wettbewerbsfähigkeit überlagert werden. Besonders die US-Landwirtschaft leidet bereits unter Gegenmaßnahmen.

Politisches Kalkül:

Die Zölle dienen auch Trumps Wahlkampfstrategie – mit der Hoffnung, im Rust Belt zu punkten. Doch strukturelle Probleme wie Automatisierung und Digitalisierung lassen sich durch Zölle kaum lösen.

„Die von Präsident Trump verhängten Zusatzzölle sind ein Fehler und eine große Belastung für den transatlantischen Handel“, sagt Felix Jahn, IHK-Geschäftsführer für den Bereich Geschäfte weltweit bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer. „Denn noch sind die USA außerhalb der EU der wichtigste Handelspartner für deutsche Unternehmen. Ein eskalierender Handelskrieg hätte auf beiden Seiten des Atlantiks nur Verlierer.“ Auch im Nordwesten sei die Betroffenheit daher branchenübergreifend groß – von Automobilzulieferern, über den Maschinenbau und die Kunststoffindustrie bis hin zu logistischen Dienstleistungen, so Jahn.

Laut einer IHK-Blitzumfrage, an der sich branchenübergreifend 130 Unternehmen beteiligt hatten, erwartet mehr als jedes dritte Unternehmen spürbare Umsatzeinbußen durch Zusatzzölle der USA. Eine Verlagerung der Produktion in die USA ist für 85 Prozent der Befragten keine Handlungsoption. 15 Prozent planen dies konkret oder sind zumindest in Überlegungen dazu. Mehr als jedes dritte Unternehmen setzt laut der Umfrage aber auf eine strategische Diversifizierung seiner Lieferkette und gibt an, neue Märkte erschließen zu wollen. Hinsichtlich einer europäischen Reaktion auf die angekündigten US-Zölle unterstützt mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen eine Gegenreaktion.

Kritisiert wird von einzelnen Unternehmen gleichzeitig, dass die EU-Kommission vorab bereits detailliere Warenlisten mit Zolltarifnummern veröffentlicht hatte, die sie möglicherweise mit Gegenzöllen belegt. Hier befürchten einzelne Betriebe, dass dies als Boomerang zurückkommen könnte, wenn ihre Waren auf der EU-Liste auftauchen und die US-Seite in Kenntnis dieser Pläne genau diese Produkte auch mit Abgaben belegen könnte.

„Die Wirtschaft erwartet von der EU in den Verhandlungen mit der US-Seite eine klare Position gegen Protektionismus und für freien Handel“, so Jahn. „Gleichzeitig müssen zügig hausgemachte bürokratische Hemmnisse beseitigt werden, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen vor Ort und im Auslandsgeschäft schwächen. Konkret sind dies unter anderem Regulierungen und Unsicherheiten bei der Einhaltung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, Auflagen der Verpackungsrichtlinie und dem CO₂-Grenzausgleich. Zudem braucht es mehr Tempo beim Abschluss von Handelsabkommen. Die zügige Umsetzung des Mercosur-Abkommens wäre daher ein wichtiger Schritt für neue Marktchancen.“

Statement von Hagen Goldbeck, Vorsitzender der IHK Nord

„Die angekündigten US-Importzölle sind ein falsches Signal – für den internationalen Handel, für die transatlantischen Beziehungen und vor allem für unsere exportorientierte norddeutsche Wirtschaft. Einseitige Strafzölle schaffen keine Lösungen, sondern zerstören Vertrauen. Für viele Unternehmen in Norddeutschland geht es um Planungssicherheit, stabile Lieferketten und faire Wettbewerbsbedingungen. Genau das wird durch die Entscheidung der US-Regierung in Frage gestellt.

Unsere klare Erwartung an Berlin und Brüssel: Flagge zeigen für offene Märkte und gegen Protektionismus. Die EU muss den Dialog mit den USA aufnehmen – aber aus einer Position der Stärke. Langfristig führt aber kein Weg daran vorbei: Europa muss seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken. Weniger Bürokratie, mehr Innovation, eine sichere und bezahlbare Energieversorgung – das sind die entscheidenden Stellschrauben, wenn wir im globalen Wettbewerb bestehen wollen. Wer nur reagiert, verliert. Norddeutschland will gestalten.“

Quellen U.a. Wirtschaftsvision.de, IHK Oldenburg